Tierschutz Euskirchen e.V.
 

Susi und Strolch

von Hans-Peter Schlinkmann

Eigentlich wollten wir nur eine kleine brave Katze haben. Eine ganz normale, auf keinen Fall ein Zuchtprodukt. Vom Tierschutz natürlich. So kamen wir zu Frau Jansen, die gerade einen Wurf Tigerchen in ihrer Obhut hatte.

Und da lag Susi auf dem Sofa, ruhig und unbeeindruckt, fast majestätisch. Fein. Und wie süß. Die nehmen wir gerne.

Doch dann kam das Geräusch aus der Ecke. Ein etwas tollpatschiges und seine körperlichen Fähigkeiten offensichtlich überschätzendes Kerlchen machte sich kühn an ein Werk, bei dessen Anblick sich dem Lehrer und Hifi-Freund das Nackenhaar sträubte: Die Besteigung einer Hifi-Box mit allen Kräften der vier kleinen Krallenpfoten – ohne Rücksicht auf Schäden am Objekt.

„Das ist Strolch. Er ist anders als Susi. Ganz anders. Aber trotz aller Gegensätze sind sie seit dem ersten Tag unzertrennlich. Eigentlich würden wir sie am liebsten nur zusammen abgeben.“

Und so geschah es dann. Nicht eine brave kleine Katze, sondern eine Rasselbande. Er zunächst kein Held, sie eher diejenige, die sich traute, die neue Umgebung zu erschließen. In dem Maße, in dem das geschehen war, erwies er sich dann aber als jemand, der dem Namen „Strolch“ rund um die Uhr alle Ehre machte, und sie als eine junge Dame, die es auf eher unauffällige Weise faustdick hinter den kleinen Katzenohren hat.

Ach, wie schön kann man – so lange man noch nicht raus darf – zu zweit die wilde Jagd über vier Stockwerke machen! Oder in ruhigen Phasen, wenn kein Mensch im Haus ist, in gegenseitiger Abstimmung interessante Veränderungen an der Wohn-landschaft vornehmen, die die Menschen dann bei ihrer Rückkehr mit offensichtlich sehr großem Interesse zur Kenntnis nehmen – geht man nach ihrem emotionalem Feedback. („Oh Gott!“ ist ganz bestimmt ein Ausdruck freudiger Anerkennung.)

Mit Worten schwer zu beschreiben ist die rührende Zweisamkeit, in der Brüderchen und Schwesterchen miteinander schmusen, in gegenseitiger Umarmung schlafen und schön brav nebeneinander sitzend von einem Tellerchen fressen um sich da-nach gegenseitig putzen.

Heute können und wollen wir uns gar nicht mehr vorstellen, nur eine Hälfte dieses Teams bei uns zu haben.