Tierschutz Euskirchen e.V.
 

Die tragische Komödie: Flöckchen (Flocke) und Mika

 

Im September 2015 entschieden meine Lebensgefährtin und ich uns dazu, dass wir unseren 2er-Haushalt um zwei Katzen erweitern wollten. Unsere Wahl fiel schnell auf die beiden Sorgenkinder Flöckchen und Mika, die beide als Welpen mit Katzenschnupfen vermittelt wurden. Im Oktober übernahmen wir sie dann in unseren Haushalt und es dauert nur bis zum Abend des ersten Tages bis Mika mit uns auf der Couch lag und in seiner unverwechselbaren Art an unseren Wolldecken nuckelte und knetete was die Pfötchen hergaben. Stets untermalt vom gleichmäßigen schmatzen und schnurren. Flöckchen blieb am ersten Tag noch etwas zurückhaltender und gab sich mit der Couchlehne zufrieden. In den folgenden Tagen wurden beide aber deutlich zutraulicher. Mikas angestammter Abendruheplatz war auf der Brust von mir oder meiner Lebensgefährtin, wo er gemächlich nuckelnd Stunden verbringen konnte. Flöckchen hingegen fand seinen Platz an den Beinen.

 

Aber es gab nicht nur die ruhigen Momente. Ein allabendliches Ritual blieb die gegenseitige Jagd, wenn die beiden (formalen) Hausherrn sich entweder auf der Couch oder auf dem Bett zur Ruhe betteten. Dann mussten die beiden erst einmal ihre Fähigkeiten als Raubtiere und Kletterkünstler vor hilflosem Publikum (uns) unter Beweis stellen. Erst danach war Ruhe angesagt.

 

Mika war immer der Charakterkopf von den Beiden. Egal was für Methoden ich versuchte bei ihm anzuwenden es blieb immer das „Verbotene“ was ihn anlockte. Kratzen an Zimmerecken, das Kneten von Haut (statt Decke), auf den Tisch springen, aus dem Kühlschrank stibitzen, im Vorhang hängen, durch meine Lego-Welten schleichen und diese von allen Seiten inspizieren, über meine Tastatur laufen und sich vor den Monitor positionieren  oder was auch immer. War es verboten, war es Mikas Welt. Und was habe ich nicht alles versucht um ihm das abzugewöhnen. Eine besondere Anekdote ist meine Sprühflasche und die Wasserpistole … Mika war teilweise so nass gespritzt, dass ich ihn auch hätte gleich in die Waschmaschine stecken können … nicht das es was gebracht hätte, den nur wenige Sekunden später tat er immer wieder das, was ich ihm eigentlich abgewöhnen wollte. Und Flöckchen saß daneben und beobachtete das Schauspiel interessiert. Was mag der sich dabei gedacht haben …

 

Das aber war beispielhaft für Flöckchen, der zwischenzeitlich zu Flocke und ansatzweise zu Schneeball mutierte. Er saß häufig ruhig da und beobachtete. Beim Futter vorbereiten schaute er zu, wie Mika immer wieder auf die Arbeitsfläche sprang, runter geschubst oder nass gespritzt wurde, nur um wenig später wieder oben zu sitzen. Und während der Hibbel Mika immer wieder aufschaute ob es vielleicht noch was gibt, bediente Flocke sich mal kurz an seinem Napf, weshalb der Name Flöckchen irgendwann der Tatsachen nicht mehr gerecht wurde, das er ganz schön proper geworden war. Steckenpferd von Flocke war der klassische „Schwerkrafttest“ und die passionierte Fliegenjagd, die er oft über Minuten beobachtete, bevor er zuschlug … Sie bildeten so etwas wie das Nahrungsergänzungsmittel.

 

Etwas Besonderes waren unsere Fahrten nach Polen, die Flocke zuletzt auch ohne Transportkiste auf dem Schoß des Beifahrers oder in seiner Schlafhöhle im Fußraum mitmachte. Wir verbrachen teils Stunden auf stillen Rastplätzen, bis die Burschen in ausreichendem Maß, mit den (formalen) Hausherrn im Schlepp genug erkundet hatten um ihr Geschäft zu erledigen. Wir hatten extra eine große Hundekiste besorgt, damit beide beieinander waren und ich werde nie die großen Augen vergessen, die uns aus dem Gitter anschauten und fragten: „He, Sklave? Und? Bald da?“

 

Mika musste am 15. März nach einer Fahrt nach Polen eingeschläfert werden. Er hatte neben dem Katzenschnupfen auch eine FIP und dadurch eine massive Bauchwassersucht entwickelt.

 

Ein vorsorglich gemachter Test bei Flocke zeigte auch bei ihm eine massive Infektion mit dem Virus. Während einer Vitamintherapie mit regelmäßigen Spritzen, entschieden wir uns schließlich diese einzustellen und Flocke stattdessen ein möglichst unbeschwertes Leben zu ermöglichen. Freigang im Auto, quasi Wunschfutter, Narrenfreiheit am Tisch. Er sollte es so gut haben wie möglich. Er hat es uns jeden Tag gedankt!

 

Am 15. August wurde auch Flocke eingeschläfert, bei dem während einer Lungenentzündung der Katzenschnupfen wieder voll durchbrach und die Nasen so massiv anschwellen ließ, dass er massive Atemprobleme bekam.

 

Vielleicht denkt sich der geneigte Leser gerade, wie schrecklich das ist. Aber ist es das? Sicher, wir hatten beide Katzen kein Jahr und sie sind kaum älter als ein Jahr geworden, was augenscheinlich schrecklich ist. Und während ich diese Zeilen schreibe, habe ich Tränen in den Augen und es schnürt mir den Hals zu. Aber es gibt trotz dieser kurzen Zeit, die wir mit ihnen verbringen durften, so viele tolle und erstrebenswerte Erinnerungen an die beiden, dass ich sage: „Ich bereue nichts! Keinen einzigen Tag. Selbst den letzten Tag nicht! Und deshalb habe ich trotz der Tränen ein breites Lächeln auf den Lippen und fühle mich gut, den die beiden waren es wert. Sie waren unsere tragische Komödie.

 

Danke auch an den Tierschutz Euskirchen und Frau Mahlberg, die uns das Vertrauen entgegen brachten, indem sie uns diese beiden Heartbreaker trotz unserer Unerfahrenheit anvertrauten.